Jahresbericht 2008
Der Umgang mit psychisch auffälligen Jugendlichen in einem
hochstrukturierten Umfeld
Weitere Berichte zu diesem Thema:
...... aus Sicht der Jugendpsychiatrie
...... aus Sicht der Sozialpädagogik
...... aus Sicht der Werkstatt
Liebe Leserin und lieber Leser
Wir freuen uns sehr, Ihnen den Jahresbericht 2008 vorlegen zu dürfen. Dieser mit einem Beitrag zu einem spezifischen Thema, das uns in diesem Jahr besonders beschäftigt hat.
In der Durchgangsstation Winterthur finden immer wieder Jugendliche Aufnahme, bei denen nebst ihrem delinquenten Verhalten, der Verdacht einer psychischen Auffälligkeit besteht. Das heisst, es wird im Rahmen des DSW Abklärungs-Aufenthaltes zusätzlich ein forensisches Gutachten erstellt. Eine von diversen möglichen Diagnosen kann eine Borderline – Störung aufzeigen.
Im DSW Konzept ist festgehalten, dass wir keine psychisch erkrankten Jugendlichen aufnehmen. Dieser Grundsatz steht weiterhin nicht zur Diskussion. Wir unterscheiden jedoch psychisch erkrankte Jugendliche, die eine spezifische Behandlung in einer entsprechenden Klinik benötigen und psychisch auffällige, delinquente Jugendliche, bei denen in der Regel noch keine Diagnose erstellt wurde. Mit dem Entscheid diese Jugendlichen in der DSW aufzunehmen, möchten wir auch Hand bieten, da ein spezifisches geschlossenes Angebot für solche Jugendliche nicht existiert.
Ich möchte Sie gerne einladen nachzulesen, wie sich in unserem pädagogischen Alltag in den einzelnen Bereichen die besonderen Herausforderungen darstellen. Unsere Richtlinien des pädagogischen Konzepts und unser Fachwissen alleine reicht nicht mehr aus im Umgang mit diesen Jugendlichen. Weiterbildungen, Supervisionen und Austausch im Gesamtteam ermutigten uns jedoch, immer wieder auch schwierigste Situationen meistern zu wollen und auch zu können. Trotzdem haben wir nicht der Weisheit letzten Schluss gefunden können nicht alles leisten, denn eines wird deutlich: die Jugendlichen in unserer Institution sind und bleiben immer „Grenzgänger“. Zudem erreichen auch wir ab und zu unsere Grenzen und sind nicht sicher ob wir einen Jugendlichen weiter halten können. Wir sind darauf angewiesen und dankbar für die sehr eng vernetzte Zusammenarbeit mit der einweisenden Behörde, Jugendpsychiater und - zwar nicht oft nötig - mit der Jugendabteilung des Gefängnis Horgen.
Im Laufe des Geschäftsjahrs 2008 beschäftigten wir uns jedoch vor allem mit delinquenten, dissozialen Jugendlichen, die unser „Kerngeschäft“ darstellen.
Nachstehend ein paar „Blitzlichter“
Jugendliche, die sich dem Abklärungsprozess heftig widersetzten und uns dies mit ungewöhnlich häufigen Fluchten deutlich zeigen wollten. Die Art und Weise wie sie flüchteten war einerseits teilweise sehr „kreativ“ und andererseits auch sehr gefährlich vor allem selbstgefährdend. Wir stellten fest, dass sie offenbar sehr gut beobachteten und genau planten. Wir müssen und werden uns diesem Problem stellen und ebenfalls „kreative“ ungefährliche Lösungen suchen um die Flucht von Jugendlichen zu verhindern oder zumindest erheblich einzugrenzen.
Seit September 2008 dürfen Jugendliche unter 16 Jahren in der DSW nicht mehr rauchen. Dieses neue Gesetz der Gesundheitsdirektion ist zwar in der geschlossenen Unterbringung nicht schwierig durchzusetzen, trotzdem darf nicht unterschätzt werden, dass dieser innert wenigen Stunden aufgezwungene Nikotinentzug erheblichen Stress auslöst. Jugendliche, die in die DSW eingewiesen werden sind meist süchtig und rauchten seit Jahren regelmässig und intensiv.
Gesamtteam - Drei Mitarbeiter haben die DSW verlassen um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Dies bedeutete erstmal ein grosser Verlust von Ressourcen und ein Abschied, der nicht immer leicht fällt. Die Vakanzen konnten auch nicht alle sofort besetzt werden. Es ist äusserst schwierig, gut ausgebildete SozialpädagogInnen, die sich der intensiven Arbeit in der geschlossenen Unterbringung stellen wollen, zu finden. Dies hatte vor allem auf der Wohngruppe für die SozialpädagogInnen zusätzliche Einsätze zur Folge. Auch die Einarbeitung neuer MitarbeiterInnen ist eine weitere vorübergehende Belastung. Dank einem erfahrenen eingespielten Team konnte diese Herausforderung jedoch gut gemeistert werden. Es hat sich gelohnt, wir haben drei neue Mitarbeiter gewonnen die mit viel Neugier, Freude und Energie die Arbeit aufgenommen haben.
Der Teamentwicklungsprozess fand eine intensive Fortsetzung. Wir beauftragten einen Organisationsberater und setzten uns mit seinen wohlwollend kritisch gestellten Fragen auseinander. Dies förderte Klarheit und das gegenseitige Vertrauen und zeigte neue Aufgaben und Optimierungen auf, denen wir uns weiterhin stellen wollen.
Dank - Dieser Jahresbericht gibt mir Gelegenheit meinen herzlichsten Dank für die engagierte, professionelle und konstruktive Zusammenarbeit zu richten an
alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DSW
die Damen und Herren des Vorstands und der Betriebskommission
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der einweisenden Behörden
unsere externen Spezialistinnen und Spezialisten
alle uns wohlwollend unterstützenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bund und Kanton, Spender und treuen Vereinsmitglieder
und im speziellen an die Mitwirkenden dieses Jahresberichts
Frau Dr. C. Bessler, Frau Ch.
Schweizer (Bericht und Fotos), Herr S. Mezulat,
Herr P. Leuch und Herr A. Marti (Gestaltung und Layout)
Monique Huber, Leiterin DSW